Politisches (erster Teil)
Autor: Moritz | Datum: 18 Januar 2012, 06:21 | 5 Kommentare
Was macht man mit solchen Tagen? Es ist Flaute und es scheint als ob sich auch in Zukunft nichts mehr bewegen würde (und solche Tage gibt es häufiger mal hier in Ruanda). „Sollen wir zu „Inzozi nziza“ gehen?“ schreibe ich eine SMS an meinen Freund Fabien. Und 10 Minuten später treffen wir uns an dem Tor zur Kirche und gehen gemeinsam zu der Eisdiele.
Wenn man eines in einer Subsaharaprovinzhauptstadt nicht erwarten kann, dann ist es wohl eine Eisdiele, die neben Milcheis mit Granolatopping, auch Bananenkuchen und Cookies verkauft. Dieses etwas verrückte Café ist aber auch eine Art Hafen für viele Weiße die nach Butare kommen.
Schon von weitem sehen wir draußen, auf Plastikstühlen sitzend, fröhlich Fruchtsaft schlürfende oder Eis essende internationale Gäste. Wir schaffen es noch nicht einmal die Terrasse zu betreten, da begrüßt uns schon Jan, ein selbstständig in Kigali arbeitender Deutscher, der uns mitteilt, dass wir gerade eine Gruppe von 8 deutschen Volontärinnen verpasst hätten. Am gleichen Tisch sitzt auch Nick aus England mit seinem Bruder Tim aus Kanada, mit denen ich kurzerhand einen Ausflug in den Nyungwepark ausmache. Ohne uns wieder festzuquatschen schaffen wir es bis vor die Theke und bestellen zwei große Becher Vanilleeiscreme. Zurück am Tisch verabschieden sich Jan, Nick und Tim und ich bemerke eine andere deutsche Frau, die ich schon einmal in Kigali im Immigration Office gesehen habe. Sie sei schon seit 10 Uhr morgens in Inzozi nziza (es ist mittlerweile 17 Uhr abends) und hätte die ganze Zeit mit verschiedenen Leuten geredet, bemerkt sie selbst erstaunt als wir sie ansprechen. Während ich noch fasziniert bin, dass jemand 7 Stunden im gleichen Café sitzen kann, fragt sie Fabien: „Und was machst du hier in Butare?“ „Ich bin Student im Fachbereich Psychologie“ antwortet er. „Und was hältst du von dem FARG Programm (Unterstützung für Genozid Überlebende)?“ fragt sie überraschend schnell auf diese Aussage Fabiens hin. Ein bisschen unsicher auf diese konfrontative Frage antwortet er, dass er es eigentlich ganz gut fände. „Und darf ich fragen was du machst?“ frage ich sie, beginne mit meinem Eis und der Vorahnung auf ein interessantes Gespräch. „Ich schreibe meine Thesis für Genderstudies über die Verarbeitung von Vergewaltigungen von Frauen im Kongolesischen Krieg. Dafür habe ich auch eine Zeit lang in Bukavu gewohnt (das liegt am Südende des Kivusees an der Grenze zu Rwanda), allerdings habe ich nach einiger Zeit gemerkt, dass es einfach zu verrückt ist dort zu leben! Der Vater der Familie bei der ich untergebracht war, hat mich gebeten lieber woanders zu wohnen, da ich seine Familie gefährde! Und zwar ist es so, dass die komplette Nachbarfamilie umgebracht wurde, weil sie reich geworden sind und Erpressern davon nichts abgeben wollten. Und eine Weiße zu beherbergen suggeriert unweigerlich, dass man auch reich wäre“. „Ja der Kongo ist verrückt“ sagte Fabien, „aber hier in Ruanda hat sich einiges verbessert und auch die politische Situation ist viel besser“. „Das stimmt schon“ sagt Miriam (die ich zwischenzeitlich noch nach ihrem Namen fragen konnte) „es läuft vieles gut hier in Ruanda. Paul Kagames Politik ist sehr erfolgreich, wie z.B. das Plastiktütenverbot und der Kampf gegen Korruption. Aber was mich interessieren würde: Würdest du ihn wählen wenn Morgen die nächste Wahl wäre?“. Fabien überlegte ein bisschen bevor er antwortete, dann sagte er: „Paul Kagame hat ja schon zwei Amtsperioden hinter sich und eine dritte wäre nach unserem Gesetz illegal. Abgesehen davon würde ich ihn schon unterstützen, insbesondere wegen seiner sehr erfolgreichen Politik“. „Ja, das ist wirklich die Frage: Ob Kagame, ich glaube das wird im Jahre 2017 sein, sein Präsidentenamt freiwillig abgeben wird. Aber noch zu einer anderen Sache: Laut eines UN- Berichts exportierte Ruanda um die 10 Tonnen Diamanten pro Jahr, die aber nicht aus den eigenen Ressourcen stammen können. Ich vermute das die immer noch aus dem Kongo kommen.“ „Das glaube ich nicht“ wehrt Fabien scharf ab. „Aber in Cyangugu (das liegt direkt neben Bukavu auf der ruandischen Seite der Grenze) sieht man nachts kleine Boote über den Kivusee fahren, ungekennzeichnet und scheinbar heimlich. Du kannst nicht bestreiten, dass Ruanda viel vom Kongo profitiert hat, besonders während der Kongokriege. Aber warum glaubst du nicht, dass das nicht sein kann?“. „Dafür muss ich weit ausholen“ sagt Fabien „aber wenn ihr genug Zeit habt…?“ wir nicken beide und so fängt er an…
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1. Alex | 01 Februar 2012, 14:09
"schreibe ich eine SMS an meinen Freund Fabien"
Moritz, das ich das noch einmal von dir höre hätte ich mir im Leben nicht vorstellen können. Willkommen im technologischen Neuzeitalter :D
Wie sieht es denn eigentlich mit deiner Sicherheit aus?
2. DieFamilie | 28 Februar 2012, 16:04
Hallo, Moritz,
wie geht´s, wie steht´s? Melde Dich doch noch einmal, deine Fangemeinde wartet drauf!
Wir schicken dir zum Ausgleich ein bisschen warmen, bergischen Steigungsregen
-oder habt ihr momentan davon selber genug?
Hope you´re well, greetings and blessings from DieFamilie
3. Leonie%Lothar Nickel | 16 März 2012, 20:30
Grüss Dich lieber Moritz aus Solingen.Schauen gerade Deine interissanten Berichte an.Es ist schon sehr beeindruckend was Du alles erleben darfst.Die Nickels%Pröls hatten grosses Familientreffen beim 80.Geburtstag von Oma Renate.Es war sehr schön und wir haben Dich vermisst.Wenn Du wieder zurück bist,muss die Mama Petra uns mal einladen und Du erzählst uns von Deinen Erlebnissen aus Ruanda.Alles Liebe und noch viele schöne Tage in der Fremde Wünschen Dir Onkel Lothar und Tante Leonie
4. Mishach | 23 März 2012, 13:15
Lieber Moritz, Ich hoffe es geht dir gut.Von deiner familie, habe ich viel über dich gehört.Ich komme aus Nigeria aber jetzt wohne ich in Solingen.Seit 7 Monate gehe ich zur Merscheider Gemeinde und dort habe ich deine Eltern getroffen.Es würde mich freuen von deinen erfahrungen und tätigkeiten in Ruanda zu hören.Ich wünsche dir eine schöne Zeit und würde mich über eine Antwort sehr freuen.
Mishach Ugwuanyi
5. Mishach | 23 März 2012, 13:16
Lieber Moritz, Ich hoffe es geht dir gut.Von deiner familie, habe ich viel über dich gehört.Ich komme aus Nigeria aber jetzt wohne ich in Solingen.Seit 7 Monate gehe ich zur Merscheider Gemeinde und dort habe ich deine Eltern getroffen.Es würde mich freuen von deinen erfahrungen und tätigkeiten in Ruanda zu hören.Ich wünsche dir eine schöne Zeit und würde mich über eine Antwort sehr freuen.
Mishach Ugwuanyi